4. Mai 2020

Alleine reisen als Frau: Tipps für deine erste Reise allein

Frau sitzt auf Fels im Elbsandsteingebirge

Ich erinnere mich noch zu gut an meine erste Solo-Reise: hatte ich die Tage vorher alles ganz aufgeregt und ambitioniert organisiert und vor lauter Vorfreude Nachts kein Auge mehr zumachen können, stand ich nun mit Muffensausen am Flughafen und fragte mich, wieso ich das alles eigentlich gerade mache. Klar, die Neugierde auf die Fremde reizte mich – doch ängstigte mich genau diese zur gleichen Zeit. Ist es denn sicher als Frau allein zu reisen? Schauen mich nicht alle komisch an, wenn ich als Frau alleine reise? Komme ich alleine klar? Fühle ich mich allein auf Reisen wohl?
Fragen über Fragen kreisten in meinem Kopf – vielleicht genau wie bei dir gerade, denn du liest den Beitrag ja nicht ohne Grund.

Aber eins kann ich dir an dieser Stelle schon verraten: Du bist nicht die einzige allein reisende Frau. Und es kann großartig sein, allein zu reisen: du musst nicht auf die Bedürfnisse anderer Mitreisenden Rücksicht nehmen, du kannst deine Reise nach Lust und Laune gestalten, kommst gestärkt und mit einem Sack voller Geschichten und Erlebnisse, die nur dir selbst gehören, zurück.

In diesem Beitrag werde ich dir von meinen Erfahrungen als allein reisende Frau berichten und dir Tipps geben, wie du sicher und glücklich auch allein die Welt erobern kannst. Let’s go 🙂


Frau schaut auf Matterhorn

Die richtige Destination & Zeit

Je nachdem, wie du selbst gestrickt bist, empfiehlt es sich, für deine erste Solo-Reise eine Destination zu wählen, die der unseren Kultur sehr ähnlich ist und wo beispielsweise Sprachbarrieren entfallen.
Falls du eher unsicher bist, reise erst einmal innerhalb von Deutschland und weite nach und nach deinen Reiseradius aus. Genauso verfahre mit der Länge deiner Reise: unternehme erst einmal einen Kurztrip für ein verlängertes Wochenende und schau’, wie es dir damit geht.

Zudem finde für dich heraus, was für ein Reistyp du bist: willst du eher aktiv sein, bist du Kulturinteressiert oder sehnst du dich einfach ein wenig nach Entspannung? Ich für mich habe irgendwann herausgefunden, dass ich eine Mischung aus allem benötige. Immer mit meiner Kamera unterwegs, liebe ich es neue Länder und Kulturen zu erkunden, liebe Ausflüge in die Natur genauso wie neue Städte zu entdecken – wohingegen ich mich am Pool liegend schnell langweile und im schicken Restaurant am Abend alleine eher unwohl fühle. Doch das ist eine Typfrage – und das musst du für dich selbst heraus finden.

Genauso solltest du vorab für dich klären, ob du lieber allein oder unter Menschen bist. Je nachdem suche dir deine Unterkünfte aus: in Hostels triffst du natürlich viel schneller Gleichgesinnte, kommst schnell mit anderen Reisenden in Kontakt und kannst dich mit Menschen aus aller Welt austauschen oder auch gemeinsam etwas unternehmen. Im Hostel kann es aber auch schnell trubelig werden.
Willst du mehr Privatsphäre und suchst einen Platz zur Entspannung, kann ein Hotelzimmer oder auch eine privat geführte Unterkunft eher das Richtige für dich sein.


Sicherheit

Natürlich gibt es sichere und eher unsicher eingestufte Länder – doch 100% sicher bist du nirgends und passieren kann dir im Endeffekt überall etwas. Informiere dich am besten vorab auf der Seite vom Auswärtigen Amt und in aktuellen Reiseführern über die Sicherheit in dem Land deiner Wahl. Mittlerweile haben viele Reiseführer gar eine eigene Rubrik zum Thema „Alleinreisen als Frau“. Zudem nutze die Vielzahl an Reiseblogs für deine Recherche und mache dir die Erfahrungen der anderen Reisenden zu nutze.

In weniger sicheren Ländern passe dein Reiseverhalten an: kleide dich entsprechend, stelle deine Wertsachen wie Kamera und Smartphone nicht so zur Schau, buche lieber ein Taxi oder Fahrzeug mit Fahrer statt die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und suche dir vor Ort andere Reisende für gemeinsame Ausflüge oder Unternehmungen am Abend.

Wertsachen, die du unterwegs nicht benötigst, wie beispielsweise deinen Reisepass, deine Backup-Kreditkarte, Laptop o.ä. hinterlegst du am besten im Hotelsafe oder auch im Schließfach im Hostel. Und apropos Reisepass: kopiere diesen vor deiner Reise und packe dir die Kopie in den Koffer / Rucksack oder speichere dir diese mit einer ScanApp als pdf auf dem Handy.

Du bist eher ein ängstlicher Typ und willst in der Fremde nicht so gerne in der Dunkelheit vor die Tür gehen? Achte schon bei der Buchung auf die Lage deiner Unterkunft – auf den verschiedenen Buchungsplattformen kannst du mit Hilfe von Filtern dir anzeigen lassen, wie weit die Unterkunft beispielsweise vom Zentrum oder Bahnhof entfernt ist und welche Sehenswürdigkeiten und Restaurants in der Nähe sind.

Versuche zudem darauf zu achten, zu welcher Tageszeit du anreist. Es ist immer einfacher sich noch bei Tageslicht in der Fremde zu orientieren und ein Gefühl für den Ort zu bekommen. Solltest du erst in der Dunkelheit anreisen können, buche dir ggf. ein Taxi oder nimm den Abholservice deiner Unterkunft in Anspruch.

Und damit komme ich schon zum nächsten Punkt.


Vertraue auf dein Bauchgefühl

Horch’ in dich selbst hinein und vertraue deinem eigenen Gefühl. Du wirst merken, mit der Zeit wirst du selbstsicherer. Du bekommst ein Feeling dafür, was dir gut tut, wo du dich wohl fühlst und was du benötigst, damit du dich selbst auf Reisen sicher fühlst.
Du lernst unterwegs jemanden kennen und wirst spontan auf eine kleine Erkundungstour eingeladen: wenn es sich für dich richtig anfühlt, nutze die Chance. Wenn du jedoch auch zuhause eine solche Einladung nicht annehmen würdest, wieso dann in der Fremde? Vertrau’ auf dein Bauchgefühl – das ist auch unterwegs der beste Wegweiser.


Flexible Reiseplanung

Genau wie die Reisedestination ist auch die Reiseplanung eine Typfrage.
Mir hilft es vor meinen Reisen einen Plan zu machen, bei Roadtrips meine Route zusammen zu stellen, die Sehenswürdigkeiten rauszusuchen und meine Unterkünfte im Vorfeld zu buchen – aber einfach, weil ich vor Ort meine Zeit nicht mit der Unterkunftsrecherche verschwenden möchte. Zumeist achte ich jedoch darauf, dass ich die Unterkünfte ggf. vorab noch stornieren kann – so bleibe ich auch unterwegs flexibel und kann spontan meinen Reiseablauf ändern.
Hier und da baue ich ein paar freie Tage ein, so dass ich vor Ort flexibel entscheiden kann, ob ich noch einen Tag länger an einem Ort bleiben möchte oder beispielsweise mit anderen Reisenden, die ich unterwegs getroffen habe, etwas unternehmen will.


Bleib offen

Die schönsten Begegnungen und Erlebnisse passieren häufig spontan.
Wenn du also alleine reist, verschließe dich nicht. Öffne dich gegenüber neuen Bekanntschaften und Erfahrungen – natürlich immer mit gesundem Menschenverstand und auf dein Bauchgefühl hörend.
Doch genau hier liegt der große Vorteil vom Alleinreisen: du lernst viel schneller neue Menschen kennen, triffst auf andere Reisende, kommst einfacher mit Locals ins Gespräch und es können sich dir dadurch ganz neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnen.

Das heisst natürlich nicht, dass du wie ein wandelndes Buch durch die Welt reisen sollst. Lass’ Vorsicht walten und gib nicht alles von dir Preis. In unangenehmen Situationen behelfe dir selber mit einer Notlüge.
Als allein reisende Frau ziehst du natürlich auch das Interesse von Männern an – in unangenehmen Situationen habe ich dann auch schon mal erzählt, dass mein Freund mit Bauchschmerzen im Hotel ist oder er keinen Urlaub bekommen hat.

Frau mit Schirm am Strand

Hinterlasse Spuren…

Die sozialen Medien und Handy-Apps machen es heute einfacher denn je, auch in der Ferne mit deinen Liebsten in Kontakt zu bleiben. Informiere Freunde und Familie vorab über deine Reisepläne: gib jemandem die Anschrift deiner Unterbringung, teile Informationen zu deinem Reiseverlauf oder auch deine Ankunftszeiten an bestimmten Zielen mit – das macht es einfacher im Fall der Fälle, dass doch einmal etwas passieren sollte.

Wenn du magst, informiere Freunde und Verwandte auch von unterwegs immer wieder über deinen Reiseverlauf: lade Bilder, Videos und Informationen im WhatsApp-Status oder auch bei Facebook/Instagram hoch und nimm’ sie mit auf deine Reise.


Reisegefährten suchen oder eine Gruppenreise buchen

Du hast ein Land auf deiner Bucket-List, welches du jedoch nicht alleine bereisen möchtest? Dann suche dir Gleichgesinnte. Auf verschiedenen Portalen, wie beispielsweise urlaubspartner.net oder reisepartner-gesucht.de kannst du nach Reisepartnern Ausschau halten. Zudem kannst du mit der App Tourlina speziell nach Reisepartnerinnen suchen.
Oder du buchst dir eine Gruppenreise zu deinem gewünschten Ziel. Einige Reiseanbieter haben sich auf diese Nische spezialisiert und bieten direkt Reisen für Frauen an.


Also, worauf wartest du noch? Du hast Fernweh und es niemand da, der dich begleiten kann? Pack deine sieben Sachen und zieh los.

Und vergiss nicht: vorrangig solltest du Vorfreude und Neugier empfinden und dich weniger deinen Ängsten und Sorgen beugen. Ich kann dich beruhigen: nur weil du deine Reise alleine als Frau beginnst, heisst das nicht, dass du während deines Urlaubs alleine bleibst oder gar vereinsamst. Im Gegenteil: du wirst schnell andere Reisende kennenlernen, ob im Hostel, Hotel, Café, unterwegs alleine oder auf einer geführten Tour (sofern du nicht eine Privatführung buchst). Du wirst im Laufe der Zeit selbstbewusster uns selbstsicherer auftreten, lernst zunehmend deinem Bauchgefühl zu vertrauen.
Und hey: wenn es gar nicht geht – was ich aber nicht glaube – fährst du einfach wieder nach Hause.

Worry less, travel more!

Bist du schon einmal alleine verreist? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Hast du weitere Tipps? Teile sie gerne in den Kommentaren.


Buchempfehlungen für allein reisende Frauen

Du suchst weitere Tipps und Erfahrungsberichte? Dann kann ich dir die folgenden zwei Bücher meiner Blogger-Kolleginnen Ute Kranz vom Reiseblog bravebird und von Carina Herrmann vom Reiseblog pinkcompass sehr ans Herz legen:

Brave Girl: Alles, was du wissen musst, wenn du als Frau allein reist*

Frauen Reisen Solo 2.0: Der Ratgeber für alleinreisende Frauen – und alle, die es werden wollen*


Frau am Meer mit Leuchtturm
Mein Selbstauslöser und ich… 😉
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